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Menschenkenntnis - kann man das essen? Im Auge vieler ist Menschenkenntnis ein Ziel, das sie sich gesetzt haben, ein Geschick, das sie erlernen wollen, weil es praktisch und bisweilen notwendig ist. Aber muss man Menschen wirklich auswendiglernen? Kann man sie nicht einfach lesen? Ich sage, man kann. Dieser Blog handelt von meinen Erfahrungen mit Menschen, meinen Methoden, die Menschen "kennen zu lernen" und meiner Ansicht, was Menschenkenntnis im Leben wirklich bedeutet. Im Anschluss bin ich sehr offen, Diskussionen abzuhalten und Fragen zu beantworten und freue mich auf eure Meinungen.

 

Mehr über mich...

Als ich noch jung war...:
...war ich noch jung.

Ich wünsche mir...:
...dass die Menschen die Augen aufmachen und man endlich ehrlich zueinander sein kann.

Ich glaube...:
...dass die Gegenwart alles ist, was uns bleibt.

Ich liebe...:
...wovor ich die meiste Angst habe: Die Menschen. Und einen vielleicht mehr als die anderen.

Man erkennt mich an...:
...keine Ahnung, ich halt.

Ich grüße...:
...alle, die das lesen :D



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Blog

Menschenlesen #3 - Ein Monolog

Vincent Van Gogh, geboren 30.3.1853, gestorben 29.07.1890, ein niederländischer Maler und Grafiker, war einer aus jener "Gruppe", die nicht so wirklich ihren Weg in die Gesellschaft gefunden haben.
Aus seinen Hinterlassenschaften lässt sich schließen, dass er sich unverstanden fühlte und mit der Schnelllebigkeit des sich modernisierenden Europas nicht umgehen konnte. In Anlehnung an seine Biographie habe ich einen Monolog geschrieben.
Viel Spaß damit.
(Szene: Vincent steht auf der Hauptstraße seiner Geburtsstadt Groot-Zundert und betrachtet das Treiben um sich herum, ohne sich zu rühren. Voll Unverständnis hebt er den Bleistift zu dem Block in seiner Hand, lässt ihn jedoch sofort wieder sinken.)
Vincent (zu sich selbst): Sie fliegen vorbei. Gesichter im Halbschatten. Wie Portraits. Wie Landschaftsmalereien, die sich jedes Mal verändern, wenn man sie ansieht. Rahmenlos, frei hasten sie alle durch mein Sichtfeld. Am toten Punkt verschwinden sie.
Je mehr ich versuche, sie anzusehen, in allen Details wahrzunehmen, je länger ich versuche, ein Gesicht zu fixieren, desto vager werden sie. Das Licht wirft Schatten auf die Gesichter, doch die Gesichter fliegen davon.
Die Schatten zeichnen Muster auf die Gesichter, sie zeichnen Geschichten, zeichnen Schönheit. Die Augen erzählen die Geschichten, die die Schatten zeichnen. Die Augen erzählen alles über die Gesichter, aber die Gesichter verstecken die Augen. Hinter Sonnenbrillen, durch Blinzeln, man schaut sich nicht in die Augen.
Nur die Kinder sind anders. Ihre Gesichter sind hell und offen, die Augen lassen sich fesseln vom Verbotenen und Unbekannten, bis sie es verstanden haben. Der Blick eines wahren Künstlers ist der eines Kindes.
Die Erwachsenen rauschen vorbei wie die Fledermäuse, gefangen in Pflichten, Fleiß und Moral, verängstigt vom Versagen, vom Verschwimmen einer Gelegenheit. Doch was man in all ihren Augen sehen kann, ist die Angst davor, dass jemand ihre Geschichte sieht. Dass man sie sieht und ihr Schicksal erkennt.
Es sind diese kurzen Augenblicke, in denen die Menschen einem ins Gesicht sehen und versuchen zu verstehen, warum man sie anstarrt. Wenn ihr Verstand begreift, dass sie einen noch nie gesehen haben und sie weiterhasten aus Angst davor, durchschaut zu werden. Und das dauert genauso lange, wie meine Augen brauchen, um zu erkennen, dass in einem Punkt alle Menschen gleich sind: Sie wollen namenlos bleiben, inkognito, um sich nicht verletzbar zu machen. Einmal nur wünsche ich mir, alle Menschen ließen ihre Schutzschilde sinken, nur einen Augenblick lang. Dann würde die Welt endlich so bunt wie die der Maler. Vielleicht würde es sich besser anfühlen als alles andere, wenn man sich einander zeigen könnte. Vielleicht.
Wenn ich sehe, wie die Menschen den Schleier vor ihren Augen herablassen, wie sie ihre Mauern bauen und einander belügen, in den Augenblicken, wenn sie sich selbst beschützen, dann werde ich traurig. Es ist viel leichter, einen Menschen zu verletzen, den man nicht kennt. Aber es ist auch viel leichter, jemanden zu belügen, der einem egal ist. Also muss einem Menschen sein Nächster möglichst egal sein.
Es ist so leicht, ein Gesicht verschwinden zu lassen.
Menschen verlieren sich aus den Augen, und jeder Schatten zeichnet ein neues Muster auf ihr Gesicht und einen neuen Satz in ihre Geschichte.
29.9.14 21:45


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Menschenlesen #2 - Schutzmethoden (1)

Die amerikanische Autorin Susanna Kaysen schrieb in ihrem Erfahrungsbericht "Durchgeknallt" über ihren Psychiatrieaufenthalt und ihre Borderline-Störung Folgendes: "Wir verletzen unser Äußeres, um unser Innerstes zu töten."
Das ist ein sehr treffendes Beispiel für die Diskrepanz zwischen dem Äußeren einer Person, dem, was sie präsentiert, und dem, was sie wirklich ist.
Wie ihr vielleicht schon im letzten Eintrag gelesen habt, sind es die Verhaltensweisen, die vom Unterbewusstsein gesteuert werden, welche uns die wahren Empfindungen der Menschen nahebringen können. Auch das funktioniert nicht immer, aber doch meistens.
Die menschliche Kommunikation hat ein großes Geheimnis: Man kann nicht nicht kommunizieren. Egal, was man tut, man kommuniziert immer. Deshalb ist es auch fast schon nebensächlich, WAS man eigentlich sagt. Wie heißt es so schön? Der Ton macht die Musik.
Ich sage gern, dass in jedem Eisberg ein Stück Dreck steckt, um das er herumgefroren ist. Die meisten Menschen betrachten sich tatsächlich aus dieser Perspektive. Das Selbstbewusstsein kann man meistens besonders gut an ihrem Verhalten ablesen.
Wenn einer offen auf euch zukommt und sofort ein Gespräch anfängt, könnte man denken, dass diese Person ziemlich entschlossen und schwer zu verunsichern ist.
Falsch.

Natürlich kann man es mit einem extrovertierten Menschen zu tun haben, der gern redet und mit Menschen zu tun hat, den nichts so leicht aus der Fassung bringt und der Übung und Erfahrung im Umgang mit Menschen hat.

Aber es kann genauso gut sein, dass diese Person introvertiert ist, Menschen meidet, wenn sie kann und Unsicherheit überspielt.
Optisch sind diese zwei "Typen" sehr schwer auseinander zu halten, weil man auch Teile der Körpersprache bewusst verändern kann und die Haltung entsprechend nicht so wirklich aussagekräftig ist, wenn es um die Grundstimmung geht. Aber wie letztes Mal habe ich eine Checklist erstellt, die dabei helfen könnte.


1. Inhalte

Jemand, der versucht, peinliches Schweigen zu unterbrechen, indem er redet, spricht meistens über unwichtige Dinge wie das Wetter, Zeitungsartikel, die nichts mit Politik zu tun haben oder erzählt kurze Anekdoten, die zur jeweiligen Situation passen. Bisweilen werden verkrampfte Witze erzählt.

Jemand, der einfach kontaktfreudig und mitteilsam ist, stellt viele Fragen (auch persönliche) und variiert in den Gesprächsthemen. Zwar spricht er oder sie auch über sich selbst, aber die Themen sind keine lückenfüllenden Alltagsanekdoten, sondern eher Eigenschaften, die preisgegeben werden. Es hängt von der unbewussten Selbstwahrnehmung ab, ob und in welchem Ausmaß diese Eigenschaften tatsächlich vorhanden sind.


2. Sprachduktus

Besonders bei unsicheren und eher schüchternen Menschen kann man bestimmte Charakteristika in der Sprache erkennen. Dazu gehören zunächst besonders schnelles und/oder leises Sprechen, häufiges Verhaspeln und die Benutzung von Füllwörtern wie "eben", "ähm", "irgendwie", "halt" oder "also". Es gibt aber noch andere Anzeichen von Unsicherheit. Zum Beispiel die Wiederholung vom Satzende des Gegenübers (als Form von Zustimmung oder einfach, um irgendetwas zu sagen), die wiederholte Benutzung von Ausrufen oder einzelnen Wörtern ("ich glaub ich werd nicht mehr" oder "Alter" oder "Kinners") und natürlich der Klassiker. Das Stottern. Es beschränkt sich nicht immer nur auf die ersten ein, zwei Wörter im Satz. Manche fangen einen Satz auch einfach mehrfach an und sprechen ihn erst beim fünften oder sechsten Anlauf zu Ende. Außerdem (ich bin mir nicht sicher, in welche Kategorie das gehört, erwähne es aber einfach hier) ist auch Lachen oder Kichern unter Umständen ein Hinweis auf Unsicherheit, wenn man z.B. übertrieben laut und lange über einen Witz lacht oder den eigenen Witz über den Klee feiert, oder auch wenn das Lachen oder Lächeln die Augen nicht erreicht und gewollt wirkt.

Selbstsichere Menschen sprechen klar und deutlich, vor allem in einem ruhigen und angenehmen Tempo. Es wirkt wenig gezwungen und wird nicht langweilig oder anstrengend (es sei denn, man hat es mit einer dieser Personen zu tun, die immer nur dasselbe erzählen).


3. Körpersprache

bei unsicheren Menschen fällt auf, dass sie zwar den Körper gerade und die Schultern hinten halten, aber sie wirken, als seien in ihnen mehr Muskeln angespannt als notwendig. Ihre Bewegungen wirken steif und hektisch. Auch haben sie oft nervöse Ticks, zum Beispiel einen zuckenden Mundwinkel oder einen Blinzel- bzw Räuspertick und spielen mit den Fingern. Das kann ein ständiges Händereiben sein, ein Kratzen über Kleidungsstoffe, manche Musiker spielen auf imaginären Instrumenten (besonders Klavier oder Gitarre) oder auch ein ständiges Kopfkratzen oder Ähnliches.

Die Haltung des Selbstbewussteren ist entspannt, seine Hände unterstützen das Gesagte mit Gesten, er wirkt locker und kann auch Stille ertragen.


4. Details

Erweitete Pupillen, verstärktes Schwitzen und Gänsehaut können Zeichen von Unsicherheit sein. Gerade wenn bewusst eine gute Stimmung suggeriert werden soll, hält der Handelnde meist keinen längeren Augenkontakt aus, bekommt in manchen Fällen Stirnfalten und dann gibt es da eben den oben genannten Aspekt mit dem Lachen. Viele Menschen erröten beim Sprechen, wenn sie unsicher sind und unterbrechen sich selbst, um darauf zu warten, dass das Blut aus dem Gesicht "läuft". Davon wird es meistens noch schlimmer.


Ich hoffe, das hat euch einen Einblick in die Fassade vieler Menschen gegeben und euch gezeigt, dass man diese auch ungefähr berechnen kann. Beim nächsten Mal werde ich dieses Thema noch vertiefen, aber ich denke, erstmal reicht, was ich euch schon aufgeschrieben habe.
29.9.14 00:27


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