Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 

Letztes Feedback
   27.09.14 23:43
    Ups, das hat nicht gekla


http://myblog.de/menschenlesen

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Menschenlesen #2 - Schutzmethoden (1)

Die amerikanische Autorin Susanna Kaysen schrieb in ihrem Erfahrungsbericht "Durchgeknallt" über ihren Psychiatrieaufenthalt und ihre Borderline-Störung Folgendes: "Wir verletzen unser Äußeres, um unser Innerstes zu töten."
Das ist ein sehr treffendes Beispiel für die Diskrepanz zwischen dem Äußeren einer Person, dem, was sie präsentiert, und dem, was sie wirklich ist.
Wie ihr vielleicht schon im letzten Eintrag gelesen habt, sind es die Verhaltensweisen, die vom Unterbewusstsein gesteuert werden, welche uns die wahren Empfindungen der Menschen nahebringen können. Auch das funktioniert nicht immer, aber doch meistens.
Die menschliche Kommunikation hat ein großes Geheimnis: Man kann nicht nicht kommunizieren. Egal, was man tut, man kommuniziert immer. Deshalb ist es auch fast schon nebensächlich, WAS man eigentlich sagt. Wie heißt es so schön? Der Ton macht die Musik.
Ich sage gern, dass in jedem Eisberg ein Stück Dreck steckt, um das er herumgefroren ist. Die meisten Menschen betrachten sich tatsächlich aus dieser Perspektive. Das Selbstbewusstsein kann man meistens besonders gut an ihrem Verhalten ablesen.
Wenn einer offen auf euch zukommt und sofort ein Gespräch anfängt, könnte man denken, dass diese Person ziemlich entschlossen und schwer zu verunsichern ist.
Falsch.

Natürlich kann man es mit einem extrovertierten Menschen zu tun haben, der gern redet und mit Menschen zu tun hat, den nichts so leicht aus der Fassung bringt und der Übung und Erfahrung im Umgang mit Menschen hat.

Aber es kann genauso gut sein, dass diese Person introvertiert ist, Menschen meidet, wenn sie kann und Unsicherheit überspielt.
Optisch sind diese zwei "Typen" sehr schwer auseinander zu halten, weil man auch Teile der Körpersprache bewusst verändern kann und die Haltung entsprechend nicht so wirklich aussagekräftig ist, wenn es um die Grundstimmung geht. Aber wie letztes Mal habe ich eine Checklist erstellt, die dabei helfen könnte.


1. Inhalte

Jemand, der versucht, peinliches Schweigen zu unterbrechen, indem er redet, spricht meistens über unwichtige Dinge wie das Wetter, Zeitungsartikel, die nichts mit Politik zu tun haben oder erzählt kurze Anekdoten, die zur jeweiligen Situation passen. Bisweilen werden verkrampfte Witze erzählt.

Jemand, der einfach kontaktfreudig und mitteilsam ist, stellt viele Fragen (auch persönliche) und variiert in den Gesprächsthemen. Zwar spricht er oder sie auch über sich selbst, aber die Themen sind keine lückenfüllenden Alltagsanekdoten, sondern eher Eigenschaften, die preisgegeben werden. Es hängt von der unbewussten Selbstwahrnehmung ab, ob und in welchem Ausmaß diese Eigenschaften tatsächlich vorhanden sind.


2. Sprachduktus

Besonders bei unsicheren und eher schüchternen Menschen kann man bestimmte Charakteristika in der Sprache erkennen. Dazu gehören zunächst besonders schnelles und/oder leises Sprechen, häufiges Verhaspeln und die Benutzung von Füllwörtern wie "eben", "ähm", "irgendwie", "halt" oder "also". Es gibt aber noch andere Anzeichen von Unsicherheit. Zum Beispiel die Wiederholung vom Satzende des Gegenübers (als Form von Zustimmung oder einfach, um irgendetwas zu sagen), die wiederholte Benutzung von Ausrufen oder einzelnen Wörtern ("ich glaub ich werd nicht mehr" oder "Alter" oder "Kinners") und natürlich der Klassiker. Das Stottern. Es beschränkt sich nicht immer nur auf die ersten ein, zwei Wörter im Satz. Manche fangen einen Satz auch einfach mehrfach an und sprechen ihn erst beim fünften oder sechsten Anlauf zu Ende. Außerdem (ich bin mir nicht sicher, in welche Kategorie das gehört, erwähne es aber einfach hier) ist auch Lachen oder Kichern unter Umständen ein Hinweis auf Unsicherheit, wenn man z.B. übertrieben laut und lange über einen Witz lacht oder den eigenen Witz über den Klee feiert, oder auch wenn das Lachen oder Lächeln die Augen nicht erreicht und gewollt wirkt.

Selbstsichere Menschen sprechen klar und deutlich, vor allem in einem ruhigen und angenehmen Tempo. Es wirkt wenig gezwungen und wird nicht langweilig oder anstrengend (es sei denn, man hat es mit einer dieser Personen zu tun, die immer nur dasselbe erzählen).


3. Körpersprache

bei unsicheren Menschen fällt auf, dass sie zwar den Körper gerade und die Schultern hinten halten, aber sie wirken, als seien in ihnen mehr Muskeln angespannt als notwendig. Ihre Bewegungen wirken steif und hektisch. Auch haben sie oft nervöse Ticks, zum Beispiel einen zuckenden Mundwinkel oder einen Blinzel- bzw Räuspertick und spielen mit den Fingern. Das kann ein ständiges Händereiben sein, ein Kratzen über Kleidungsstoffe, manche Musiker spielen auf imaginären Instrumenten (besonders Klavier oder Gitarre) oder auch ein ständiges Kopfkratzen oder Ähnliches.

Die Haltung des Selbstbewussteren ist entspannt, seine Hände unterstützen das Gesagte mit Gesten, er wirkt locker und kann auch Stille ertragen.


4. Details

Erweitete Pupillen, verstärktes Schwitzen und Gänsehaut können Zeichen von Unsicherheit sein. Gerade wenn bewusst eine gute Stimmung suggeriert werden soll, hält der Handelnde meist keinen längeren Augenkontakt aus, bekommt in manchen Fällen Stirnfalten und dann gibt es da eben den oben genannten Aspekt mit dem Lachen. Viele Menschen erröten beim Sprechen, wenn sie unsicher sind und unterbrechen sich selbst, um darauf zu warten, dass das Blut aus dem Gesicht "läuft". Davon wird es meistens noch schlimmer.


Ich hoffe, das hat euch einen Einblick in die Fassade vieler Menschen gegeben und euch gezeigt, dass man diese auch ungefähr berechnen kann. Beim nächsten Mal werde ich dieses Thema noch vertiefen, aber ich denke, erstmal reicht, was ich euch schon aufgeschrieben habe.
29.9.14 00:27
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung